Klassenfahrt zur Jugendarrestanstalt Landau a. d. Isar

Zweiter Besuch von Schülern der Berufsschule Altötting der Jugendarrestanstalt in Landau a. d. Isar.

Bereits zum zweiten Mal besuchten Schüler der Berufsschule Altötting die Jugendarrestanstalt in Landau a. d. Isar. Der Vollzugsleiter Herr Grotz, der zugleich Jugendrichter ist und Dienstleiter Herr Ferwagner zeigten uns das Gebäude und beantworteten unsere Fragen. 

In der 26 Zellen umfassenden Arrestanstalt sitzen ausschließlich männliche Jugendliche ein, die straffällig geworden sind oder ihre Auflagen nicht erfüllt haben. Wer von einem Jugendgericht hierher geschickt wird, soll eine Zeit zum Nachdenken einlegen – über das Unrecht, das man begangen hat und auch darüber, was man mit seinem Leben anfangen möchte. 

Bereits ab 14 Jahren kann man in den Jugendarrest kommen, die meisten sind mit 16 bis 18 Jahren im Alter unserer Berufsschüler. Der Jugendarrest dient als „Warnschuss“ und ist nicht zu verwechseln mit dem Jugendgefängnis. Dorthin kommen Jugendliche (14 bis unter 18 Jahre) und Heranwachsende (18 bis unter 21 Jahre), die rechtskräftig zu einer Strafe von mindestens einem halben Jahr bis zu zehn Jahre Haft je nach Delikt verurteilt wurden. Der Jugendarrest soll dafür sorgen, dass die Jugendlichen genau dort nie landen.

Der Aufenthalt in der Jugendarrestanstalt ist abgestuft in Dauerarrest (ein bis vier Wochen), Kurzarrest (zwei bis vier Tage) und Freizeitarrest (über das Wochenende). Wochenendarrest deshalb, damit die Jugendlichen trotz Zuchtmittel zur Schule oder Arbeit gehen können und keinen Abbruch in ihrer Laufbahn haben. In Landau beträgt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer 11,9 Tage. Auf Platz 1 der Gründe für Jugendarrest in Landau stehen Drogendelikte, gefolgt von Körperverletzungen auf Platz 2 und Vermögensdelikten (Diebstahl) auf Platz 3. Manche Insassen sind mehrmals nicht zur Schule gegangen, haben das dafür verhängte Bußgeld nicht bezahlt und müssen deswegen für kurze Zeit hinter Gitter.

Herr Ferwagner, der täglich mit den jungen Männern zu tun hat, schilderte uns den typischen Weg eines Delinquenten von der Aufnahme, über den Aufenthalt bis zu seiner Entlassung. Am Tag der Einbestellung muss sich der Jugendliche zuerst ausweisen. Einige kommen nicht freiwillig, sondern müssen erst mit der Polizei geholt werden. Im Aufnahmeraum sind alle persönlichen Sachen abzugeben. Diese werden vom Vollzugsmitarbeiter für die Dauer des Aufenthalts aufbewahrt. Im Anschluss wird der Arrestant selbst durchsucht, dazu gehören auch sämtliche Körperöffnungen. Danach wird der Jugendliche entlang weißer kahler Gänge mit roten aneinander gereihten Türen aus Metall zu seiner Zelle gebracht. Die kleinen Zellen sind überschaubar eingerichtet. Ein schmales Bett, ein Schrank, ein kleiner Tisch mit Stuhl, hinter der Türe ist ein Waschbecken und die Toilette versteckt. Kein Computer, kein Handy, kein Fernsehgerät, keine Zigaretten und kein Besuch! Dafür viel Zeit zum Nachdenken und Schreiben über die eigene Tat, nachdem die schwere Metalltür vom Justizbediensteten in blauer Uniform zugesperrt wird. Und wer glaubt, er könne bei einem Wochenendarrest seinen Rausch vom Disko-thekenbesuch unter der Woche ausschlafen, der hat sich gründlich geirrt. In vielen Jugendarrestanstalten, so auch in Landau, ist es den Insassen verboten tagsüber auf den Betten zu liegen. Ebenso ein Nickerchen auf dem Stuhl wird von den Beamten gezielt verhindert. Wer sich nicht daran hält, dessen Matratze wird kurzerhand von den Justizmitarbeitern in den Flur gestellt.

Im Arrest ist der Tag strukturiert, mit täglich festen Zeiten für Beschäftigung, Essen und Ruhe. Morgens geht es zeitig los. Nach dem Frühstück in der Zelle müssen die Arrestanten ihre Zelle aufräumen und sauber machen. Vormittags dürfen die Jugendlichen eine Stunde in den Hof, um Licht und frische Luft zu tanken, bei guter Führung und heißem Wetter ggf. nachmittags nochmal eine Stunde. Das Mittagsessen gibt es als einzige Mahlzeit im Gemeinschaftsraum. Grundsätzlich können die Jugendlichen jederzeit jeden Vollzugsmitarbeiter für ein Gespräch aufsuchen. In der JAA Landau gibt es viele verschiedene Möglichkeiten einer kreativen als auch sportlichen Freizeitbeschäftigung, angefangen von der Holzwerkstatt, Maler- und Maurerarbeiten, Gartenpflege, Gemüseanbau, Basketball, Krafttraining, Tischtennis, Kicker spielen …. Mit dem Abendessen in der Zelle wird die Metalltür i. d. R. endgültig für diesen Tag verschlossen. Für die Stunden alleine in den Zellen, können sich die Arrestanten in der hauseigenen Bücherei Lesestoff ausleihen. Bei guter Führung dürfen sie sich auch Gesellschaftsspiele holen und im Gemeinschaftsraum zusammen spielen oder dort Fernsehen. Ab 22:00 Uhr herrscht Nachtruhe.

Am letzten Tag des Aufenthalts führt Herr Grotz mit jedem Arrestanten ein Abschlussgespräch. Dabei wird dieser gefragt, was er aus dem Arrest gelernt hat und wie er draußen sein Leben in Zukunft gestalten möchte. Bei Bedarf werden auch Unterstützungsangebote vermittelt. Einige Jugendliche sieht er danach nicht wieder, andere Gesichter erkennt er leider wieder.

Am Ende der interessanten Führung waren unsere Schülerinnen und Schüler doch  froh darüber, wieder „frei zu sein“ und zurück zur Berufsschule Altötting fahren zu dürfen.                                                                              

Emma Deser, StRin 

Von rechts: Dienstleiter Herr Ferwagner, Vollzugsleiter Herr Grotz