Sonnenenergie für Afrika

Seit fast fünf Jahren gibt es das Entwicklungshilfeprojekt VET4Africa - ein Vorhaben mehrerer Berufsschulen aus ganz Bayern, der Gemeinde Wildpoldsried und der Akademie für Lehrerfortbildung Dillingen. Von Anfang an mit dabei: KollegInnen der Fachschule für Umweltschutztechnik und regenerative Energien in Altötting!

Die Ziele des Projektes sind vielschichtig. So soll der afrikanischen Jugend durch eine fundierte berufliche Ausbildung eine Zukunftsperspektive in der eigenen Heimat eröffnet werden. Gleichzeitig können durch den Aufbau einer auf erneuerbaren Energien basierenden Energieversorgung die Lebensumstände stark verbessert werden. Erreicht werden kann dies nur durch eine fundierte Vermittlung von theoretischen und praktischen Kompetenzen und deren Multiplikatoren - daher auch der Name "Vocational Education and Training for Africa". So besteht die Zielgruppe des Projektes aus afrikanischen BerufsschullehrerInnen und UniversitätsdozentInnen.

Nach vielen Lehrgängen in der Gemeinde Wildpoldsried und direkt in Afrika fand im Juni 2022 erstmals ein Lehrgang an den Beruflichen Schulen Altötting statt. Die elf anwesenden TeilnehmerInnen kamen aus Ghana, Uganda, Äthiopien, Kenia und Samba - eine bewusste Mischung, um auch in Afrika entsprechende Netzwerke aufbauen zu können.

Ziel dieses zweiten Ausbildungsmoduls - alle Teilnehmer hatten schon an einer ersten, zweiwöchigen Schulung teilgenommen - ist die Planung und Auslegung sowie der Bau, die Prüfung und Inbetriebnahme von kleinen Photovoltaik-Inselanlagen mit möglicher Netzkopplung. Auch wenn der uns bekannte Standard in Afrika erst in der Zukunft umgesetzt werden kann, so orientieren sich alle Arbeitsschritte an genau diesem. Die in Afrika zu bauenden Anlagen sollen eine höchstmögliche Qualität aufweisen, um den sicheren und dauerhaft funktionierenden Betrieb zu garantieren und gleichzeitig die Bevölkerung von dieser Technik zu überzeugen.

Es stand ein umfangreicher "Stundenplan" inklusiv 350 Seiten Skript für das zweiwöchige Training auf dem Programm. Insgesamt zehn Tage lang wurde von 08:00-18:00 Uhr hart gearbeitet. Die erlernten theoretischen Kompetenzen setzten die TeilnehmerInnen dabei direkt in einem eigenen Projekt um. So existieren bereits Pläne, Materiallisten usw. für elf zukünftige PV-Anlagen zur autarken Energieversorgung von Klassenzimmern bzw. kleineren Wohngebäuden. Parallel wurden in drei Gruppen exemplarische, aber reale und auch funktionierende Anlagen gebaut. Neben den PV-Modulen installieren die Teilnehmer auch den Sicherungskasten, die Verbraucher, die Batterien usw.. Schlussendlich konnten alle drei Anlagen erfolgreich in Betrieb genommen und dem Praxistest unterzogen werden - ein schöner und eindrücklicher Moment für alleTeilnehmerInnen und TrainerInnen.

Im Fokus des Trainings stand auch immer der Brückenschlag zu den afrikanischen Bedingungen. Beispielsweise stehen die für die umfangreichen elektrischen Sicherheitsprüfungen notwendigen, aber auch teuren Messgeräte in den Heimatländern meist noch nicht zur Verfügung oder sind schlichtweg unerschwinglich. Daher wurden immer auch verschiedene Alternativen aufgezeigt und diskutiert. Eine weitere Herausforderung für alle TeilnehmerInnen ist die Beschaffung qualitativ hochwertiger Komponenten in ihren Heimatländern. Vor allem im Bereich der Module ist hier besondere Vorsicht geboten. Und genau für diesen Themenkomplex gab es für alle Beteiligten eine große und überraschende Hilfestellung. So reisten Rémy Wedig und Daniel Schreiber vom "photovoltaikbuero Ternus & Diehl" aus Rüsselsheim an. Im Gepäck hatten sie 14 PV-Module mit typischen Fehlern, welche zukünftig im Projekt aber auch in der Fachschule für Umweltschutztechnik und regenerative Energien Altötting im Bereich Fehlersuche & Qualitätssicherung zum Einsatz kommen werden. Des Weiteren nahmen sich beide auch zwei Stunden Zeit, die Teilnehmer in die Fehlersuche mit einfachen Hilfsmitteln einzuführen.

Die Grundlagen zur Produktion und Herstellung von Modulen wurden den Teilnehmern bei einer Betriebsbesichtigung der Firma Wacker Chemie erläutert. Hierbei legten Herr Dr. Finger und Herr Dr. Storm das Hauptaugenmerk der Besichtigung auf die Gewinnung und Aufbereitung von hochreinem Silizium.

Ein Highlight für die TrainerInnen und TeilnehmerInnen war das Wochenende. Schließlich wollte man neben all der Technik auch die Bayerische Heimat kennenlernen. Los ging es bereits am Freitagabend mit dem Grillen von Steckerlfischen am Fischweiher von Christoph Färber. Auf Einladung von Burghausens Bürgermeister Florian Schneider konnte am nächsten Tag eine Plättenfahrt von Tittmoning nach Burghausen genossen werden, bevor es anschließend auf die Burg Burghausen ging. Sehr beeindruckend war auch die Führung durch das Salzbergwerk Berchtesgaden am Sonntag, welche mit einer Schifffahrt über und einer abschließenden Abkühlung im Königssee abgerundet wurde. Da aber auch der Projektstandort nicht vernachlässigt werden durfte, nahm sich unsere Kollegin Dr. Elfriede Schießleder Zeit, um den Gästen abends die Besonderheiten von Altötting zu zeigen und deren Geschichte zu erzählen.

Am letzten der zwölf intensiven Tage ließen es sich Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen und Schulleiter Carlo Dirschedl - beide hatten das Projekt bereits mit der stellv. Landrätin Ingrid Heckner besucht - nicht nehmen, den TeilnehmerInnen die Zertifikate persönlich im großen Sitzungssaal der Stadt Altötting zu übergeben. Ein wirklich feierlicher Abschluss!

Um all dies zu ermöglichen, sind viele unterschiedliche Stellen wie Ministerien, Schulen usw. notwendig. Danksagen möchten alle Beteiligten den MitarbeiterInnen des Franziskushauses Altötting für eine tolle und v.a. sehr freundliche Unterbringung und Bewirtung. Danken wollen wir auch dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) für die Bereitstellung der finanziellen Mittel. Auch das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw) und in Person Marlyse Annoepel dürfen in dieser Aufzählung nicht vergessen werden, welche die übergeordnete Organisation, beginnend bei den Flügen und Visa, übernommen hatten. Unmöglich wäre dieses Vorhaben jedoch ohne die KollegInnen der Berufsschulen aus Kempten, Höchstädt an der Donau, Coburg, Mindelheim, Dachau und Donauwörth gewesen, die einzelne Lehrgangsteile gestalteten. Diese bayernweite Zusammenarbeit und Vernetzung wird dabei auch durch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus unterstützt.

Sabine & Mario Beier und Stephan Hansjakob